Ungewohnte Einsichten zum Erfolg der chinesischen Frauen präsentierte Dr. Carsten Jaekel, Mitglied der FDP Nord, den etwa 90 Teilnehmern im einladenden Ambiente der Citykirche. „Frauen in China – Vom stillen Femizid in der Ein-Kind-Politik zur erfolgreichen Unternehmerin“ lautete sein Vortrag.
In einer traditionellen chinesischen Familie mit mehreren Kindern kamen die begrenzten finanziellen Ressourcen zumeist Söhnen zugute, während Töchter oft früh die Schule verlassen mussten. Die Ein-Kind-Politik in China von 1979 bis 2015 veränderte nicht nur das Verhältnis zwischen den Geschlechtern dramatisch. Auf 120 Jungen kamen etwa 100 Mädchen. Bis heute zeigen sich die wirtschaftlichen und globalen Folgen.
Eltern und Großeltern konzentrierten ihre finanziellen Mittel auf die sogenannten Einzeltöchter, die nun Zugang zu Elite-Schulen und Universitäten erhielten. So studierten die Mädchen zumeist in MINT-Fächern – Bildungshunger als Traumabewältigung. Sie erkämpften sich als Managerinnen oder Unternehmerinnen ihren Platz in der Gesellschaft. Die hohe Qualifizierung der Frauen reicht bis in die heutige Zeit, was von Dr. Jaekel anhand von Beispielen belegt wird. China stellt die meisten Milliardärinnen weltweit. Trotz der ab 2016 eingeführten Zwei-Kind-Politik oder der Lockerung ab 2021 auf drei Kinder bei verheirateten Paaren bleibt auch heute ein Baby-Boom aus. Die hoch qualifizierten Frauen heiraten nicht, bekommen keine Kinder. Überalterung und Bevölkerungsrückgang in der Gesellschaft sind die Folgen.
Durch die gesteuerte Familienpolitik fehlen schätzungsweise 17 Mio. Frauen im gebärfähigen Alter. Millionen von Männern, als „nackte Zweige“ bezeichnet, leben gezwungenermaßen allein. Die chinesische Regierung weiß um deren Frustration, sind doch junge Männer ohne familiäre Bindung historisch gesehen oft der Ausgangspunkt für politische Unruhen. Mit digitaler Überwachung und Arbeit sollen sie im Zaum gehalten werden. Schätzungen zufolge könnte die Bevölkerung in China bis 2100 bis auf etwa 800 Mio. schrumpfen, ein Kollaps für das riesige Reich.
Mit einem kurzen Exkurs zur deutschen Wirtschaft schließt Dr. Jaekel seinen Vortrag. Fragezeichen sind in den Gesichtern der Anwesenden zu sehen. Dr. Jaekel sowie der FDP Kreisvorsitzende und Historiker Daniel Winkens beantworten alle Fragen. Der Applaus zeigt, die Teilnehmer sind zufrieden. Eine rundum gelungene Veranstaltung endet.
Dr. Carsten Jaekel ist Sinologe und Wirtschaftswissenschaftler. Über 20 Jahre lebte und arbeitete er als Unternehmer in China. Hier konnte er beobachten, wie sich das Leben der chinesischen Bevölkerung über die Jahre veränderte. Vor knapp zwei Jahren kehrte er mit seiner Familie zurück in seine Geburtsstadt Mönchengladbach. Heute unterstützt er nationale Unternehmen bei Geschäften im asiatischen Raum.

